Volontariat auf den Komoren: Luc Cescutti

Kreative Auszeit auf dem Komoren:

Meine Auslandsgeschichte begann letztes Jahr. Nach Abschluss meiner 13e und nach einigen Ge- sprächen mit meinen Eltern stand fest, dass ich ein Jahr Auszeit nehmen würde, um meinen Weg und um ein Thema für meine zukünftigen Studien zu fin- den. Der beste Weg, dieses Ziel zu erreichen schien mir, dass ich ein fremdes Land mit seinen Bräuchen und Sitten kennenlerne. Wir setzten uns mit der „Action pour un Monde Uni a.s.b.l.“ in Verbindung und Claude Steichen, Pro- jektleiter der AMU, schlug mir das Festival „Plume & Tambour“ vor, das von der AMU finanziell un- terstützt wird. Es handelt sich hierbei um ein drei- wöchiges Kulturfestival, das von der „Cosmanie a.s.b.l.“, auf den Komoren verwirklicht wird. Ziel des Festivals ist es, einen Austausch zwischen der westlichen und der komorianischen Kultur durch Verwirklichung kreativer Workshops zu schaffen. Das Festival wurde 2007 zum ersten Mal organi- siert. Dieser Vorschlag gefiel mir von Anfang an. Er bot mir die Möglichkeit, eine gewisse Zeit in engem Kontakt mit den Einwohnern der Insel zu leben.

Nach meiner Ankunft am 2. August 2009 in Domoni, der größten Stadt der Insel Anjouan, wurden die Wei- chen für die Organisation des Festivals gestellt. In der Stadt wurden Flyer ausgeteilt und Transparente aufgehängt. Die Einwohner wurden somit auf das bevorstehende Event vorbereitet, und ihnen wurde die Idee und der Sinn des Festivals vorgestellt. Die Ateliers (Theater, Film, Stickarbeit, Musik, Na- turwissenschaft, Bühnendarstellung) waren wäh- rend des gesamten Festivals gut besucht und ein voller Erfolg. Die Jugendlichen hatten die einmalige Gelegenheit mit einer professionellen Kamera zu arbeiten. Eine Weltkarte wurde zusammengenäht und am Ende des Festivals wurde ein Theaterstück aufgeführt, das sich viele Bewohner der Stadt nicht entgehen lassen wollten.

Während des gesamten Festivals nutzte ich jede Ge- legenheit, mich mit der Gesellschaft und der Kultur des Landes sowie mit den Bewohnern der Stadt ver- traut zu machen. Nach einem Monat reisten dann die Mitglieder der Cosmanie a.s.b.l. zurück nach Luxemburg. Ich blieb vor Ort und bekam ein Zimmer im Haus eines Freundes. Seine Familie nahm mich sehr gut auf. Das Leben in einer komorianischen Familie war eine sehr interessante Erfahrung für mich.

Meine Aufgabe für die kommenden drei Monate war es, eine Umfrage bei der lokalen Bevölkerung durchzuführen, um die Bedürfnisse der Jugend- lichen in Erfahrung zu bringen. Anhand der gewon- nenen Informationen sollten Aktivitäten, ähnlich wie beim Festival, gezielt während des ganzen Jahres angeboten werden. Des Weiteren sollte ich meine Zeit in den Aufbau der lokalen Organisation „Cos- manie Comores“ investieren, eine Aufgabe die, wie sich im Laufe der Monate herausstellte, nicht im- mer einfach war.

Die Umfrage konnte ich nicht ganz umsetzen, weil ich den Aufbau der „Cosmanie Comores“ als Pri- orität empfand und weil ich aus gesundheitlichen Gründen meinen Aufenthalt um einen Monat ver- kürzen musste. Die gesammelten Informationen reichten allerdings aus, um der AMU einen Überblick über die aktuelle Situation des Schulsystems und über die allgemei- nen Probleme der Bevölkerung zu präsentieren.

Am Ende meines Aufenthaltes besuchte ich noch das Krankenhaus in Pomoni, das vor 20 Jahren mit Hilfe von luxemburgischen Geldern aufgebaut wurde. Ich habe in der gesamten Zeit sehr viel über mich gelernt, aber auch über andere Menschen, eine an- dere Kultur und das Leben an sich. Am meisten ge- prägt hat mich die Tatsache, dass es noch Menschen gibt, bei denen es nicht nur die materiellen Dinge sind, die eine Rolle spielen und die in einer, noch et- was menschlicheren Gesellschaft leben.
Mir wurde aber auch bewusst wie wertvoll es ist in einem Land wie Luxemburg zu leben, von wo aus man überall hinreisen kann ohne sein Leben zu ge- fährden. Beim Versuch illegal zur Insel Mayotte zu gelangen (französisches Territorium) sterben jähr- lich ungefähr 800 Menschen. Ich schätze unsere Si- cherheiten und die Butter im Kühlschrank, die hier so normal ist. Ich empfehle jedem Jugendlichen, der nicht weiß, was er aus seinem Leben machen will, in ein Drittweltland zu reisen und auf diese Weise un- ser Leben besser schätzen zu lernen. Diese Erfah- rung hat mir auf meinem Lebensweg sehr viel ge- holfen. Ich bedanke mich bei der AMU, dass sie mir dies ermöglicht hat, und dass sie immer ihr Bestes tat, um mir in schwierigen Situationen beizustehen.

Luc Cescutti
2009


Action pour un Monde Uni asbl - ONG agréée par le Ministère de la Coopération du Grand-Duché de Luxembourg